Liebe Landwirte und Jäger

die Zeit der Mahd ist der Start in die jährlich wiederkehrende Setzzeit des Rehwildes die, je nach Wetter und Vegetation, von April bis Mitte Juli andauern kann. Im Rheinland setzen die meisten Rehe zwischen Anfang Mai und Ende Juni ihre Kitze. Die Zeiträume verschieben sich aber nicht zuletzt auch durch den klimatischen Wandel und die dadurch bedingten Veränderungen des Wetters, der Temperaturen und der Vegetation, welche maßgeblichen Einfluss auf die Setzzeit haben. Somit muss also vermehrt mit einer immer längeren oder verschobenen Setzphase gerechnet werden. Im Grunde ist von der ersten Mahd bis Mitte Juli mit Kitzen zu rechnen, die durch das Mähwerk verletzt oder getötet werden können.

An dieser Stelle muss auch nochmals auf Hasen und Bodenbrüter hingewiesen werden, deren hauptsächliche Setz- und Brutzeit ebenfalls in diesem Zeitraum stattfindet.

Der Landwirt trägt die Hauptverantwortung

Laut  § 17 Nr. 1 Tierschutzgesetz macht sich derjenige strafbar, der ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet. Damit muss jedem Landwirt klar sein, dass er sich strafbar macht, wenn er keine geeigneten Maßnahmen zur Verhinderung von gemähten Wirbeltieren trifft. Die Annahme, dass diese Verantwortung dem Jagdpächter alleine obliegt ist schlichtweg falsch. Allerdings, ist der Jagdpächter  laut Paragraph 1 des BJagdG  zur Hege des Wildes verpflichtet. Die Waidgerechtigkeit ist hier auch gesetzlich verankert.

Das heißt: Landwirtschaft und Jägerschaft müssen hier Hand in Hand arbeiten und idealerweise gemeinsame Maßnahmen planen und durchführen.

Verantwortung ist nicht übertragbar

Warum nicht einfach Leute suchen lassen, die Spaß daran haben?

Dritte Parteien, oftmals freiwillige Helfer oder aktive Natur- oder Tierschutzgruppen, dürfen nicht eigenmächtig Kitzrettung betreiben. Das Jagdgesetz erlaubt es Niemandem ohne Jagdberechtigung in dem jeweiligen Revier das Wild aufzusuchen, nachzustellen, zu Erlegen oder zu Fangen. Egal welche ehrlichen Absichten auch der Antrieb sein mögen. 

So geht es gesetzeskonform und erfolgreich gegen den Mähtod

  • Landwirte und Jäger planen die Maßnahmen im Vorfeld zusammen, idealerweise mit Helfern.
  • Der Landwirt übermittelt, mit so großem Vorlauf wie irgend möglich, wann und wo gemäht wird. Bitte gerade bei Lohnunternehmern auf das Timing achten. (Jäger, Landwirt und Suchteam)
  • Idealerweise werden 24 Stunden vorher erste Maßnahmen der Vergrämung getroffen. Wie Fahnen stellen oder der Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln. (Jäger und Suchteam)
  • Der Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras muss für die frühen Morgenstunden koordiniert werden, da diese nur in den kühlen Stunden funktionieren. (Jäger und Suchteam)
  • Das Ablaufen und Abfliegen der Felder und Sichern von Rehkitzen sollte wenige Stunden vor dem eigentlichen Mähen stattfinden. (Jäger und Suchteam)
  • Niemals mit dem Mähen beginnen, wenn die Kitzsuche noch auf dem Schlag läuft und sich Menschen dort befinden!
  • Für Kartons oder besser Kunststoff-Waschkörbe für die Kitze, sowie Markierungsstangen muss vor Ort gesorgt werden.
  • Bereitstellung von Getränken und vielleicht etwas zum Knabbern für die Helfer sollte selbstverständlich sein.

Das größte Problem ist im Grunde der zeitliche Vorlauf des Mähens. Zu oft wird zu knapp Bescheid gesagt. Und natürlich wollen viele Landwirte dann gleichzeitig mähen. Dies ist unbedingt zu vermeiden. Auch hier schützt der knappe Zeitplan nicht vor Strafe! Idealerweise tun sich Jäger, Landwirte und Helfer regional für ein zusammenhängendes Gebiet zusammen. So kann mehr erreicht werden.

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit nutzen wird die männliche Schreibweise. Es sind immer auch Frauen oder diverse Menschen angesprochen.